Eignet sich mein Boden zum Bauen?
23.04.2021

Der Boden auf Ihrem Grundstück ist unterschiedlichen geologischen Vorgängen wie der Verwitterung, Erosion, Transport oder Sedimentation ausgesetzt. Diese Vorgänge wollen wir in diesem Artikel etwas näher beschreiben, sodass Sie einen kurzen Überblick über die Vorgänge auf Ihrem Grundstück haben und welche Einflüsse dies auf den Baugrund haben kann. Wir stellen auch die Bodenklassen laut ÖNORM näher vor.

Die Begriffserklärungen und Grundlagen

Es gibt einen vereinfachten Kreislauf der geologischen Vorgänge den wir kurz vorstellen wollen. Ein Gestein besteht aus einem oder üblicherweise mehreren Mineralien und es ist verschiedenen Kräften auf der Erdoberfläche und im Erdinneren ausgesetzt, welche das Gestein verändern. Die Kräfte im Inneren der Erde werden als endogene Kräfte (Erdhitze, Erddruck, usw.) bezeichnet, während die Kräfte an der Erdoberfläche (Erosion, Wasser, Wind, usw.) als exogene Kräfte bezeichnet werden.

Auf dem Weg zur Erdoberfläche kommt es zur Verwitterung der Gesteine. In der Geowissenschaft beschreibt dieser Vorgang die natürliche Zersetzung von Gestein an der oder Nahe der Erdoberfläche. Gefolgt ist dieser Prozess der sogenannten Erosion (lateinisch „erodere“ für abtragen) der Gesteine. Durch einen Transport der Gesteine durch beispielsweise Wasser oder Wind können die zerkleinerten Gesteine noch weiter zerkleinert werden. Die noch kleineren Gesteinsteilchen können aufgrund der Erosion noch weitere Gesteinsteilchen mitreißen, um das Gestein noch weiter zu verkleinern. Wenn kein weiterer Transport durch den Wind oder durch Wasser der Gesteinsteilchen mehr möglich ist, lagern sich die Gesteinsteilchen an einer Stelle ab. Diese Ablagerung wird als Sedimentation bezeichnet. Mit der Zeit verfestigt sich dieses Gestein bei der Diagenese durch den entstehenden Druck und der Temperatur.

Die Bodenklassen gemäß ÖNORM B 2205

Je nach dem Zustand der Gesteine auf Ihrer Parzelle, werden die Böden in Klassen eingegliedert. Die Bodenklasse 1 ist der Mutterboden (Humus, Oberboden), der besonders reich an Bodenlebewesen ist und die Oberfläche des Bodens darstellt. Dieser Boden kann mit Stichschaufeln und Spaten bearbeitet werden, ist intensiv gefärbt (z.B. dunkelbraun) und befindet sich zwischen dem Oberboden und dem Unterboden (Mineralboden). Diese Schicht eignet sich nicht zum Bauen und muss vor Baubeginn abgetragen werden.

Die Bodenklasse 2 ist ein wasserhaltiger Boden (Schöpfboden) mit hohem Wassergehalt (z.B. Schlamm) und müsste mit einer Schlammschaufel oder Schöpfgefäß bearbeitet werden. Der Boden der Bodenklasse 2 muss auch abgegraben und ausgetauscht werden, damit auf solchen Böden gebaut werden kann.

Die Bodenklasse 3 bezeichnet den leichten Boden (loser Boden), der aus nicht bindigen Sanden und Kiesen bis 70 mm Korngröße besteht. Dieser Boden kann bei händischer Arbeit mit einer Wurfschaufel bearbeitet werden. Er eignet sich bereits zum Bauen, jedoch muss meist ein sehr flacher Böschungswinkel eingehalten werden.

In der Bodenklasse 4 handelt es sich um einen mittelschweren Boden (Stichboden), der aus stark lehmigem Sand und Kies besteht, dessen Korngrößen über 70 mm liegen. Diese Böden eignen sich sehr gut zum Bauen.

Die Bodenklasse 5 beschreibt einen schweren Boden (Hackboden) und besteht aus einem festen Zusammengehalt und zäher Beschaffenheit. Steine haben hier ein Durchmesser von bis zu 200 mm und man benötigt Krampen, Sitz- und Breithacken zum Arbeiten. Die Bodenklasse 5 ist bestens für den Bau geeignet.

In der Bodenklasse 6 handelt es sich um leichten Felsgestein (Reißfels) und Schramböden aus locker gelagertem Gestein, das stark, klüftig, bröckelig, brüchig, schiefrig oder verwittert ist. Steine haben ein Durchmesser von über 200 mm, jedoch können diese Böden ohne Bohr- oder Sprengarbeiten bearbeitet werden. Dieser Boden eignet sich sehr gut als Untergrund für ein Fundament, aber es entstehen oft zusätzliche Kosten aufgrund des notwendigen Abbaus durch das Schrämmen.

Die letzte Bodenklasse 7 besteht aus schwerem Felsen, welche händisch nicht mehr lösbar sind. Dazu zählen Steine mit über 0,1 m3 Rauminhalt, welche üblicherweise gesprengt werden müssen. Diese Bodenklasse ist ein idealer Untergrund für ein Haus, jedoch etwa doppelt so teuer beim Abbau als die Bodenklasse 6. Sprengungen sind beim Errichten eines Kellers notwendig.

Kontaktieren sie einen Geotechniker, um die genauen Gebenheiten auf Ihre Parzelle feststellen zu lassen. Die ungefähren Kosten für einen geotechnischen Bericht können Sie in unserem Baukostenrechner finden.

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